Kinder und Jugendliche aus mit Pflegeaufgaben belasteten Familien

In Deutschland übernehmen mehr als sechs Prozent der Kinder und Jugendlichen regelmäßig Pflegeaufgaben in der Familie. Sie kümmern sich um ein oder beide Elternteile, Geschwister, Großeltern oder andere Verwandte, die aufgrund einer Behinderung oder chronisch körperlichen oder psychischen Erkrankung Unterstützung bei der Bewältigung des Alltags benötigen.

Die pflegenden Kinder und Jugendlichen tragen dabei oft eine große Verantwortung. Sie leisten neben der pflegerischen Versorgung auch emotionale Unterstützung. Die meisten von ihnen sind im Alter zwischen elf und 15 Jahren und übernehmen damit eine Rolle, die nicht kindgemäß ist (Parentifizierung). Dabei erleben sich die Betroffenen selbst gar nicht als pflegend oder sie dementieren dies aus Scham oder Angst.

Die pflegenden Kinder und Jugendlichen erbringen in ihrem Alltag vielfältige Tätigkeiten, die in folgenden Kategorien zusammengefasst werden können:

Die Bewältigung chronischer Erkrankungen betrifft fast alle Aktivitäten des täglichen Lebens und tangiert immer das gesamte Familiensystem. Der gewohnte Alltag muss den (neuen) Anforderungen angepasst werden. Dabei kann sich die Familienkonstellation und die Rolle des Kindes in der Familie verändern. Der individuelle Grad der Belastung durch die Pflegeaufgaben wird vom soziokulturellen Hintergrund, dem familiären und sozialen Netzwerk sowie den finanziellen Ressourcen der Familie beeinflusst.

Pflegen - Erfahrungen fürs Leben?

Eine Pflegesituation in der Familie kann sich auch positiv auf Kinder und Jugendliche auswirken: Sie können ihr Selbstwertgefühl steigern, entwickeln eine enge familiäre Bindung und haben das Gefühl, gut auf das Leben vorbereitet zu sein (Empowerment).

Hält die häusliche Pflegesituation an, kann sie sich jedoch nachteilig auf die körperliche, psychosoziale, schulische und berufliche Entwicklung der Kinder und Jugendlichen auswirken: Es können z. B. Rücken- und Kopfschmerzen, Schlafstörungen oder Erschöpfung auftreten. Sie können sich einsam und traurig fühlen oder sind mit Angst und Scham konfrontiert. Es fehlen ihnen häufig Freizeit- und Spielmöglichkeiten und altersgemäße Entspannung. Die Folge können Schulprobleme und Fehlzeiten, soziale Isolation und der Verlust der Kindheit sein.

Unterstützungsmöglichkeiten in Schulen

Um betroffene Kinder und Jugendliche aus mit Pflegeaufgaben belasteten Familien zu stärken, richten sich geeignete Maßnahmen der Gesundheitsförderung und Prävention auf die Entwicklung von Bewältigungsstrategien, Selbstwirksamkeit und Sozialkompetenz. Verhältnisbezogene Interventionen, wie eine Schulung von pädagogischen Fachkräften, können in der Lebenswelt Schule gut etabliert werden. Eine enge Kooperation mit regionalen Akteurinnen und Akteuren (wie z. B. Wohlfahrtsverbände, Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe, der Familienhilfe, Vereine und Verbände aus Sport und Freizeit, Krankenkassen und medizinische Einrichtungen) in der Lebenswelt Kommune ermöglicht eine nachhaltige und ganzheitliche Zusammenarbeit.

Gute Beispiele für Projekte und Unterstützungsangebote für Kinder und Jugendliche mit Pflegeaufgaben

https://www.echt-unersetzlich.de/

Diakonisches Werk Berlin Stadtmitte e. V.: Online-Beratung, persönliche Beratung, Informationen und Schulungen für Fachkräfte

https://www.johanniter-superhands.de/

Johanniter: Telefon-Hotline, Online-Beratung, Informationen und Tipps

https://kinderschutzbund-se.de/kinderschutz-zentrum/#young-carers

Projekt „Young Carers Deutschland“ vom Deutschen Kinderschutzbund Segeberg: wöchentliches sozialpädagogisches Freizeitangebot in Bad Bramstedt und Bad Segeberg für Kinder und Jugendliche

https://pausentaste.de/

Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ): Telefonberatung, E-Mail-Beratung, Informationen zu weiteren Angeboten

http://young-carers.de/

Selbsthilfe-Initiative eines betroffenen Teenagers mit Informationen, Öffentlichkeitsarbeit und der Möglichkeit zum Austausch

https://www.young-helping-hands.de/

Selbsthilfe-Initiative eines ehemals pflegenden Kindes mit Informationen, Öffentlichkeitsarbeit und der Möglichkeit zum Austausch


Weitere Informationen

Wegweiser zur Gesundheitsförderung in der Schule

Sie möchten sich für Gesundheitsförderung in Ihrer Schule einsetzen? Im Wegweiser zur Gesundheitsförderung in der Schule des GKV-Bündnisses für Gesundheit erhalten Sie umfassende Hilfestellungen. Er bietet Informationen, Tipps und Handlungsempfehlungen, um geeignete Strukturen und Prozesse auf- oder auszubauen.

Hier erfahren Sie mehr

Ergebnisbericht

In der Publikation „Gesundheitsförderungs- und Präventionsansätze bei Kindern und Jugendlichen aus mit Pflegeaufgaben belasteten Familien“ des GKV-Bündnisses für Gesundheit finden Sie wissenschaftlich aufbereitete Informationen, welche insbesondere die Perspektive der Kinder und Jugendlichen in den Fokus nimmt. Dargestellt werden unter anderem die spezifischen Belastungen, denen sie ausgesetzt sind sowie verschiedene Interventionen und deren Wirkungen.

Hier erfahren Sie mehr

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