Empfehlungen für Bewegung bei älteren und pflegebedürftigen Menschen

Bewegung wirkt sich auf das körperliche und psychosoziale Wohlbefinden und die kognitive Leistungsfähigkeit positiv aus. Auch körperlich beeinträchtigte und pflegebedürftige Menschen können profitieren, denn auch sie verfügen über Bewegungspotentiale, die gefördert werden können.

Die folgenden Empfehlungen für ältere und pflegebedürftige Menschen sind aus den Nationalen Empfehlungen für Bewegung und Bewegungsförderung für ältere Menschen abgeleitet. Sie können als Orientierung für pflegebedürftige Menschen in stationären Pflegeeinrichtungen dienen.

Jede Bewegung zählt

Zur körperlichen Aktivität gehört jede Form der Bewegung – vom Zufußgehen und Treppensteigen bis zum Gleichgewichtstraining in der Gruppe. Bedeutend ist nicht was man tut, sondern, dass man etwas tut. Wer bislang inaktiv war, kann besonders profitieren: Schon eine geringe Steigerung der Bewegung wirkt sich positiv auf die Gesundheit aus.

Körperliche Aktivität hat positive Wirkungen auf

  • das psychosoziale Wohlbefinden und die Lebensqualität
  • die geistige Leistungsfähigkeit und deren Erhalt im Alter
  • Muskelkraft, Gleichgewicht und Mobilität und deren Erhalt im Alter
  • das Herz-Kreislauf-System
  • den Stoffwechsel
  • die Knochengesundheit
  • die gesunde Gewichtsentwicklung

Bewegung wirkt sich positiv auf chronische Erkrankungen aus

Bewegung fördert nicht nur das allgemeine Wohlbefinden, sie reduziert auch die Risiken für die Entstehung chronischer Erkrankungen. Auch Menschen, die bereits eine chronische Erkrankung haben, profitieren. Bewegung vermindert u. a. das Risiko für das Auftreten von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes Mellitus Typ 2, verschiedener Tumorerkrankungen wie z. B. Brust- oder Darmkrebs. Auch fördert Bewegung die Prävention von Übergewicht, Osteoporose und Depressionen.

Bei älteren Menschen kann ein Mehr an Bewegung chronische Erkrankungen verzögern, wenn auch häufig nicht mehr verhindern. Regelmäßige Bewegung kann den Alterungsprozess zwar nicht aufhalten, sie kann aber dazu beitragen, körperliche Funktionen aufrechtzuerhalten und die Lebensqualität sowie die Lebenserwartung zu erhöhen.

Bewegung im Rahmen des Möglichen

Die folgenden Empfehlungen basieren auf den Nationalen Empfehlungen für Bewegung für ältere Menschen ab 65 Jahren. Grundlage dafür sind wiederum die Empfehlungen der WHO sowie kanadische, australische, britische und US-amerikanische, ergänzt durch europäische Richtlinien.

Genauere Angaben zu Dauer und Intensität von Bewegung für Menschen ab 65 Jahren finden Sie unter Empfehlungen für Bewegung – Wie viel Bewegung brauchen Erwachsene und ältere Menschen?

Empfehlungen speziell für Menschen in Pflegeeinrichtungen sind nicht Bestandteil der Nationalen Empfehlungen für Bewegung. Die im Folgenden aufgeführten Empfehlungen können jedoch als Orientierung für ältere pflegebedürftige Erwachsene mit und ohne chronische Erkrankungen oder funktionelle Beeinträchtigungen dienen, wenn aus medizinischer Sicht nichts gegen regelmäßige Bewegung spricht.

Grundsätzlich gilt, dass sich ältere Erwachsene mit gesundheitlichen Einschränkungen so viel bewegen sollten, wie es ihre aktuelle gesundheitliche Situation zulässt. Neben ausdauerorientieren Aktivitäten wie zum Beispiel zügiges Gehen oder langsames Laufen, werden Übungen zur Muskelkräftigung und Gleichgewichtsübungen empfohlen.

Mit Bewegung mehr erreichen

Jeder noch so kleine Schritt weg von der Inaktivität ist wichtig und fördert die Gesundheit. Älteren Menschen wird empfohlen, langes ununterbrochenes Sitzen möglichst regelmäßig durch körperliche Aktivität zu unterbrechen.

Den größten Gewinn haben Personen, die bislang inaktiv waren oder sich nur geringfügig bewegen. Für die Aktiveren gilt: Sie können weitere positive Gesundheitseffekte erzielen, wenn sie ihren Bewegungsumfang kontinuierlich steigern. Dazu zählen die Intensität, die Dauer oder die Häufigkeit der körperlichen Aktivität.

Körperliches Üben und Trainieren kann das Sturzrisiko bei älteren Menschen reduzieren. Kombinationen von Übungen für die Muskelkräftigung, Balance, Beweglichkeit und Ausdauer tragen nachweislich zur Sturzprophylaxe bei. Geeignet sind Bewegungsprogramme, die aus mehreren dieser Komponenten bestehen. Diese können z. B. als Gruppenangebote auch in die Alltagsroutinen von Senioren- oder Pflegeeinrichtungen integriert werden. Denn um eine nachhaltige Wirksamkeit zur Sturzprophylaxe zu erreichen, ist ein regelmäßiges Training ratsam.

Ein Krafttraining kommt besonders Menschen zugute, die sich längere Zeit kaum oder gar nicht bewegen konnten. Durch die Stärkung der Muskulatur kann die körperliche Beweglichkeit und Funktionsfähigkeit verbessert werden. Es ist zu beobachten, dass aktivere Menschen weniger Stürze erleiden.

Regelmäßige Bewegung wie Gehen, Laufen, Treppensteigen oder Krafttraining verlangsamt auch den Abbau der Knochendichte. Körperliche Bewegung kann um 30 bis 50 Prozent dem Risiko von osteoporosebedingten Knochenbrüchen entgegenwirken. Insbesondere ältere Frauen profitieren von regelmäßiger körperlicher Aktivität. Je intensiver das Training ausgeführt werden kann, umso deutlicher sind die gesundheitlichen Effekte.

Der Erhalt und die Verbesserung der Körperfunktionen ermöglichen größtmögliche Selbstständigkeit im Alltag. Dazu tragen körperliche Aktivitäten wie Gehen, Treppensteigen oder Balanceübungen bei. Selbst wenn ein Training erst im höheren Lebensalter aufgenommen wird, wirkt es sich positiv auf die körperliche Funktionsfähigkeit und damit auf die Erleichterung von Alltagstätigkeiten aus.

Es gibt deutliche Hinweise darauf, dass regelmäßige körperliche Aktivität das Risiko, an Demenz oder Alzheimer zu erkranken, senkt und sich positiv auf kognitive Fähigkeiten auswirken kann. So nimmt Bewegung positiven Einfluss auf die Verbesserung von Gedächtnis, Aufmerksamkeit und die Reaktionszeit.

Körperliche Aktivität führt nachweislich zu positiven Effekten auf die Lebensqualität bei älteren Menschen. Sowohl bei gesunden als auch bei chronisch erkrankten älteren Menschen führt ein moderates körperliches Training zu einer verbesserten Schlafqualität und Vitalität insgesamt. Damit wirkt es sich positiv auf die mentale Gesundheit und das Wohlbefinden aus.

Bewegung mit Freude und geringem Risiko

Bei allen körperlichen Aktivitäten gilt: Hauptsache die Bewegung steigert das Wohlbefinden und die Lebensqualität. Ratsam ist es, persönliche Vorlieben, Bedürfnisse und mögliche Barrieren zu berücksichtigen. Menschen mit körperlichen Einschränkungen oder chronischen Erkrankungen sollten sich so viel bewegen, wie es ihre aktuelle gesundheitliche Situation zulässt. Auch alternsbedingte Risiken spielen eine Rolle. Sind beispielsweise die Sinneswahrnehmung oder die Reaktionsfähigkeit beeinträchtigt, sollten Art und Dosis der körperlichen Aktivitäten entsprechend angepasst werden. Körperlich inaktive ältere Menschen oder Menschen mit einer Vorerkrankung sollten, bevor sie ihre Bewegung steigern, ärztlichen Rat einholen!

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